Wuppertal: Der urbane Kontext

Im Rahmen des Ideenwettbewerbs zur Förderinitiative „EnEff.Gebäude.2050“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erhielt der Beitrag „Solar Decathlon goes Urban“ der Stadt Wuppertal den ersten Platz. Auf dieser Grundlage bewarb sich Wuppertal als Austragungsort des nächsten europäischen Solar Decathlon und bekam im Januar 2019 den Zuschlag. In dem Organisationsteam aus Wuppertal für den Solar Decathlon Europe 21 (SDE21) ist die Universität Wuppertal, das Wuppertal Institut, die Neue Effizienz, die Initiative Utopiastadt, die Stadtwerke WSW und die Stadt Wuppertal vertreten.  

Der SDE21 wird erstmals im städtischen Kontext ausgetragen. Die Energiewende wird auf das Quartier heruntergebrochen und spiegelt die heutigen und zukünftigen Aufgabenschwerpunkt von Architektur und Bauwirtschaft wider. Die effiziente Sanierung des Bestandes rückt gegenüber dem Neubau immer mehr in Vordergrund und wird die Hauptaufgabe der Architekten und Ingenieure darstellen. Anstatt Gebäude von Grund auf neu zu planen und zu entwerfen, wird am vorhandenen Gebäudebestand gearbeitet und Wohnlösungen für spezifische urbane Situationen ausgearbeitet.

Das Stadtquartier Mirke in Wuppertal stellt diese Situation beispielhaft dar. Ungefähr 800 Gebäude aus der Gründerzeit sowie aus den 1960er bis 80er Jahren prägen das Straßenbild des ehemaligen Arbeiterviertels.

Typisches Straßenbild im Quartier Mirke, Wuppertal

Durch den altersbedingten Bevölkerungsrückgang und fehlender Zuwanderung ist Leerstand im Bereich der gewerblich genutzten Flächen keine Seltenheit. Das Quartier ist charakterisiert durch ein niedriges Mietniveau und einer multikulturellen Gesellschaft. Auch durch die Schäden des Zweiten Weltkrieges entstanden im Laufe der Zeit teils kuriose architektonische Situationen, welche aber großes Potential zur Stadtverdichtung aufweisen. Seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen, das Mirke-Quartier wieder neu zu beleben, die Attraktivität des Viertels zu steigern und beim Trend der Reurbanisierung gleichzeitig die Energiewende zu meistern. Die Gründung verschiedener Initiativen und Erstellung eines Stadtentwicklungskonzeptes stellen wesentliche Aktivitäten zur Erreichung des Ziels dar.

Die Austragung SDE21 ergänzt dieses Konzept sehr gut. Lösungen für Energiesysteme in städtischen Räumen und Maßnahmenkonzepte für Verdichtung von Städten befinden sich im Mittelpunkt des Wettbewerbs und sollen allgemein für die Herausforderung von europäischen Städten stehen. Das soll mit Sanierung, Umnutzung oder Wiederverwendung bestehender Mehrfamilienhäuser und durch die Revitalisierung der Städte erfolgen. Dabei ist die Betrachtung von sozialen Szenarien und den urbanen Herausforderungen von heute und in der Zukunft sowie die Verknüpfungen mit der Bauforschung ein wichtiger Bestandteil. Eine Kombination der städtebaulichen Herausforderung mit sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten kann eine Lösung für städtische Entwicklung und Nachverdichtung liefern. Das Ziel ist es, die geeignetste Lösung für die ausgewählten Umstände dann auch auf andere Länder zu übertragen. Aufgrund des repräsentativen Gebäudebestandes des Mirke-Quartiers, der ähnlich zu vielen deutschen und europäischen Städte ist, wird eine einfache Übertragbarkeit erwartet.